Von Cape Cod nach Providence, RI

Die Nacht verbrachten wir im Spring Garden Inn, einem niedlichen, kleinen Motel in East Sandwich. Der Ort, wie viele der kleinen Orte auf Cape Cod, stammen aus der Zeit um 1635 und sind mehr oder weniger mit der Walfangindustrie verbunden.

Mein Morgen auf Cape Cod beginnt um 6:35 Uhr mit einem erfrischenden 5 Kilometerlauf, vorbei an schönen, teils herrschaftlichen Sommerhäusern hinunter zum Strand. Ich treffe auf morgendlichen Mitstreiter und nette Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern. Als ich zurückkomme ist, zumindest in unserem Zimmer, das Leben auch schon erwacht - es herrscht Betriebsamkeit und Konkurrenzkampf um Zeit im Badezimmer 🙄.

Irgendwie schaffen es dann doch alle, geduscht und sortiert im Auto zu sitzen, um dem Frühstück entgegenzusteuern. Möglicherweise ist es der Erhaltungstrieb, der die Rotte dann doch zusammen hält. Normalerweise keine großen Zeilen Wert, möchte ich heute das Riverview Cafè erwähnen. Es handelt sich um ein Projekt der Riverview School mit dem Ziel, die Absolventen an das Berufsleben im Allgemeinen und hier speziell in Gastronomiebetrieben heranzuführen. Ein schönes Projekt - besonders auffällig, es ist erfrischend unauffällig. Würde man nicht durch Erklärungen im Café auf das Projekt aufmerksam gemacht werden, würde man es nicht bemerken. Die jungen Menschen machen ihre Arbeit wirklich gut. Die Auswahl an Speißen und Getränken ist umfangreich, der Geschmack prima,  Freundlichkeit und Service, wie USA üblich - HERVORRAGEND!

Gut gefrühstückt zieht es uns weiter in Richtung Mid Cape Cod. Wir befahren eine landschaftlich schöne Straße und durchqueren niedliche Orte, mit traumhaft schönen kleinen und großen Häusern. Kaum hat man sich entschieden eines der Häuser als besonders schön zu empfinden, taucht ein weiteres auf, welches um die Gunst buhlt. In Orleans, etwa auf Höhe der Armbeuge (Cape Cod lässt sich mit einem gebeugten Arm vergleichen) biegen wir in Richtung Süden ab und unterbrechen unsere Fahrt für einen Strandspaziergang. Der Himmel ist blau, die See ruhig, der Strand voller Muscheln - herrlich.

Der südliche Teil der Insel ist belebter und touristisch erschlossen. Ca. 6. Millionen Besucher verbringen hier ihre Sommerferien. Auch der Kennedy Clan verfügt über einen beachtlichen Grundbesitz nebst diversen Anwesen. Trotz dieser Beliebtheit gibt es keinen einzigen Hotelbunker und keine Beach typischen Geschäfte mit Firlefanz. Die Insel wirkt maritim und immer noch ein wenig verschlafen - richtig schön!

Die Straße trägt uns weiter auf unserer Route in Richtung Süden, in den kleinsten US. Bundesstaat, Rhode Island. Bevor in unser heutiges Etappenziel Providence ansteuern, statten wir Newport einen Besuch ab. Die Hafenstadt verdangt, wie Providence ihre Gründung (1635) den eher moderaten Anhängern Roger Williams, welche sich von den in Boston lebenden Hardlinern der Puritaner absonderten. Zunächst auf den Walfang spezialisiert, entwickelte sich Newport noch vor dem Bürgerkrieg zu “America’s First Resort”, dem Platz der Schönen und Reichen. Vor allem Plantagenbesitzer der Südstaaten und Industrielle leisten sich hier ihre Sommerresidenzen. Es sind große Villen und Palais, die heute oft als Museen zu besichtigen sind und in teils öffentlichen Parkanlagen liegen. Zu ihrer Blütezeit residierten hier die Vanderbilts, Morgans, Astors und Fishers.

Newport ist recht gezogen, die Villen an der Bellevue Ave. liegen weit auseinander und sind zu Fuß kaum zu erlaufen. Kein Mensch, der es sich leisten konnte, lebte seiner Zeit auf so engem Raum wie wir es inzwischen gewohnt sind. Wir verbringen etwas Zeit in der Marina, schlendern durch die Straßen, essen ein Eis, schauen in die Schaufenster der vielen kleinen Geschäfte und lassen uns dahin treiben.

Für den Rest des späten Nachmittags ist nurmehr die Anreise in das 45 Minuten entfernte Providence geplant.

Bilder des heutigen Tages gibt es hier.

Von Newport nach Bandon

Der Morgen startet im Hafen von Newport. Es riecht nach Meer, Salz und Fisch. Die Kutter sind am Morgen zurückgekehrt und im Hafen wird der Fang verarbeitet. Lachse, Tunfische und Krabben. Wir sitzen in einem Cafè, frühstücken und beobachten das Treiben. Heute muss auf jeden Fall noch frischer Fisch auf den Tisch!

Nach einem kleinen Spaziergang durch Newport geht es auf den 101. Die Straße hält heute für uns so unterschiedliche Eindrücke und Bilder bereit, wie ich sie mir nicht vorgestellt habe. Flache Küstenabschnitte mit breiten Sandstränden, wechseln auf steile und zerklüftete. Die Luft ist erstaunlich mild. Wir steigen oft ein und aus - genießen die Strandspaziergänge. Zwischendurch immer wieder endlos tiefe Wälder, soweit das Auge blicken kann.

Kleinere und größere Fischerdörfer begleiten uns auf dem Weg. Manche sind niedlich schön, laden zu einem Schaufensterbummel ein, andere lassen wir an der Straße zurück. Die Gegend war über viele Jahrzehnte hinweg von Fischfang und Holzindustrie bestimmt. Nicht jeder Ort hat den Umschwung in den Tourismus als Einnahmequelle geschafft. Solche, die den Weg frühzeitig in Richtung Tourismus eingschlagen haben, werden mit Urlaubern und Pensionären und deren Geld belohnt - das sieht man beispielsweise im kleinen Örtchen Florence.

Dicht hinter Florence beginnt die größte Dünenlandschaft der USA, der Oregon Dunes National Park. Schier endlos weit und hoch scheinen Dünen. Wir wandern durch einen Abschnitt dichter Vegetation. Herrliche Kiefernwälder und typische Dünensträucher. Im Hintergrund das Rauschen des Pazifiks. Herrlich frische, milde Luft. 

Entlang der Straße treffen wir auf ganz unterschiedliche Mitstreiter. Ein Pärchen junger Frauen, unterwegs von Kanada in einem alten VW Bus. Eine Familie aus Frankreich - auf einer 4 Jahre dauernden Weltreise. Urlauber wie wir und Städter auf Kurzurlaub. Was uns auffällt, die Menschen die wir auf der Straße, am Strand  oder in den kleinen Orten treffen sind ausgesprochen freundlich - wie hatten wir das in Seattle und Portland vermisst - das ist die USA, wie wir sie in den letzten 10 Jahren, auf unterschiedlichen Reisen kennengelernt haben.

Am frühen Abend treffen wir in Bandon ein. Das Thermometer ist von 75°F auf 57°F gesunken. Wir checken in unser süßes kleines Motel ein, machen uns frisch und schlüpfen in wärmere Kleidung. Danach kommt, was ich mir am Morgen vorgenommen hatte - frischer Fisch! Diese Nacht wird unsere letzte Nacht in Oregon sein - morgen wechseln wir nach Nordkalifornien.

Von Portland nach Newport

Von Portland geht es heute wieder zurück an die Pazifik Küste und damit auch wieder auf den Highway 101. Wir folgen zunächst dem Interstate 5, welcher uns rasch aus der Stadt in Richtung Salem bringt. Nur etwa 45 Minuten außerhalb von Portland streifen wir ein Simon Outlet. Da können wir einfach nicht vorbei 🤷🏼‍♀️- zu Hause wartet schließlich ein leerer Kleiderschrank 😬.

Nach erfolgreichem Shopping verwöhnt uns die Straße mit einer Fahrt durch die wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft von Oregon. Es geht durch Ebenen mit viel Landwirtschaft und Farmland. Angebaut werden: Birnen, Äpfel, Haselnüsse, Wein und Getreide. Auch etwas Viehwirtschaft ist zu sehen, insbesondere Rinder. Die Landschaft wechselt aus der Ebene in sanfte Hügellandschaft mit viel wunderbar duftenden Wäldern. Ich habe mich heute mal ganz dem Schauen und weniger dem Fotografieren hingegeben - daher gibt es von diesen Eindrücken heute nur Wort und kein Bild.

Am späten Nachmittag sind wir in Newport. Die warme, staubtrockene und immer noch rauchige Luft trifft auf die kühle, feuchte Meeresluft. Das Ergebnis: Eine dunstige Mischung ohne Panoramablick. Die schlechte Sicht kann uns nicht abhalten. Wir ziehen uns etwas wärmer an und spazieren noch gut eine Stunde am rauschenden Pazifikstrand entlang. Der Abschnitt "Agate Beach" verdankt seinen Namen nicht etwa einer Dame, er leitet sich aus den Achat Steinen ab, welche hier zu finden sind. Gefunden haben wir keine, dafür genossen, über so unendlich viele Sanddünen zu laufen. 

Nachdem wir bereits am Nachmittag mehr oder weniger Abend gegessen haben, uns aber noch ein kleines Hüngerchen plagt, entscheiden wir uns den Abend mit frischem Obst und Gemüse "Home-Grown in 🇺🇸" abzuschließen.

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